DIE KRETISCHE LABYRINTH-HÖHLE

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Eine Dokumentation von Thomas M. Waldmann

News ab Jan. 2010   (Stand: 04. März 2010)   News 01 (Okt. 2008 - Mai 2009)    www.labyrinthos.ch (Teil 1)    www.labyrinthos.ch (Teil 2)
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ACHTUNG: DIE LABYRINTH-HÖHLE IST GEFÄHRLICH !
Betreten Sie sie nicht auf eigene Faust !
ATTENTION: THE LABYRINTH CAVE IS DANGEROUS !
Don't enter it off your own bat !
ΠΡΟΣΟΧΗ: Η ΛΑΒΥΡΙΝΘΟΣ ΕΙΝΑΙ ΠΟΛΥ ΕΠΙΚΙΝΔΥΝH !
Μην μπαίνετε μέσα με δική σας πρωτοβουλία !


26. Feb. 2010: Johannes von Antiochen (7. Jh.) erwähnt eine "Höhle in der Gegend der Labyrinthe", ohne Ortsangabe

Die Schriften von Johannes von Antiochen (7. Jh.) sind nur in Fragmenten erhalten. Im 39. Fragment (siehe Quelle 1, S. 78) findet sich folgender Satz: "Theseus ... verfolgte Satz von Johannes von Antiochenden Minotaurus in die Gegend der Labyrinthe und tötete ihn, der sich in einer Höhle versteckt hielt." Eine Ortsangabe fehlt. Gemäss Quelle 2 ist die Schrift von ihm "eine der vielen Adaptationen und Imitationen der besser bekannten Chronik von John Malalas" (mehr dazu im Beitrag vom 1. Feb.). Auch sein Text, in dem die Rationalisierung des Mythos aufscheint, hilft uns also nicht weiter bei der Frage, wann die Labyrinth-Höhle zum ersten Mal so genannt wurde. Die fehlende Ortsangabe trägt darüber hinaus auch nichts zur Lokalisierung des Mythos bei - die selbst bei Nennung eines geografischen Namens wegen der Rationalisierung des Mythos zweifelhaft bliebe.
Quellen: 1) Ioannis Antiocheni Fragmenta ex Historia chronica; Introduzione, edizione critica e traduzione a cura di Umberto Roberto; de Gruyter 2005
http://books.google.de/books?id=8uckHUYk6JYC&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false
2) http://www.newadvent.org/cathen/08468a.htm

15./24. Feb. 2010: Weitere Belege für die Verwendung als Steinbruch: Spuren von Keilen und Meisseln: die Bilder

Viele grössere und kleinere Löcher sowie Rillen entpuppten sich bei genauerer Betrachtung als weitere Hinweise darauf, dass die Labyrinth-Höhle ein Steinbruch war. Grössere Löcher erwiesen sich teilweise als Keil-Löcher, d.h. sie sehen nur von aussen wie normale Löcher aus. In ihrer Vertiefung - am Boden des Loches sozusagen - verlaufen diese Löcher häufig quer (horizontal) und lassen damit die Form des verwendeten Keils erkennen (gut zu sehen in den Bildern 1, 4 und 6; Bilder 1 und 4 zeigen die selben Löcher in verschiedener Belichtung). Viele kleine Löcher haben eine rechteckige Form und verlaufen mit vier geraden Kanten in einen Spitz zu - die konische Form der verwendeten Meissel ist auch hier gut zu sehen (Fotos 7, 8 und 9 darunter; auf Foto 3 (erste Zeile) sind am oberen Rand auch mehrere Spuren und Löcher von Meisseln zu sehen (rot markiert); eines davon, das von oben nach unten verläuft, zeigt die konische Form des Meissels sehr schön).

Keil-Löcher (RGL)     

Meissel-Löcher RGL     

12. Feb. 2010: Inschrift des in Kreta lebenden, türkischen Fotografen R. Behaedin von 1900 gefunden

Eine weitere besondere Inschrift im Trapeza-Raum habe ich bei der Durchsicht alter Photos gefunden: die Inschrift des türkischen Fotografen R. Behaedin von 1900 (Foto links). Behaedin lebte von 1898 bis 1913 in Kreta (Quelle 1). Das Bild daneben hat er 1900 in Iraklion aufgenommen (Quelle 2).
Quellen:1) Vortrag Markos Marinakis: R.Behaedin: a Turkish Photogr. in the Cretan State 1898-1913; Conference Hellenic and Turkish Culture, Rethymnon, 15. Okt. 2009
http://www.google.ch/url?sa=t&source=web&ct=res&cd=1&ved=0CAkQFjAA&url=http%3A%2F%2Fwww.edc.uoc.gr%2F~didgram%2FGREEKTURKISH.doc&rct=j&q=%22r.+behaedin%22&ei=DmF1S42zJJ7YmwOXm5ivCQ&usg=AFQjCNEwt8IS6mPzteHqh70tEDuZVdGewQ
2) http://history.heraklion.gr/background.php?url=hp&id=1981&iid=&level=&sid=

R. Behaedin

04.-15. Feb. 2010: Zwei arabische Inschriften von Nizam Dauacher entziffert

Inschriften der Speleo 1982-Exp.-TeilnehmerInschrift Dauacher (Zawahir)Inschrift Dauacher LHArabische Ziffern und Jahreszahl DauacherEine Gruppe der zweiten, 1982 gegründeten "Griechischen Höhlenforschungs-Vereinigung" (Σπηλαιολογικός Ελληνικός Εξερευνητικός Ομίλος) mit der Abkürzung "SPELEO" (ΣΠΕΛΕΟ) mit den 4 Teilnehmern Nizam Dauacher (N. Δαούαχερ), Petros Romanas (Π. Ρωμανάς), Eleni Koniari (Ε. Κόνιαρη) und Kostas Zoupis (Κ. Ζούπης) kartografierte 1982 das Labyrinth. Sie hinterliessen als Inschrift im linken Gang an der Decke ihre Vornamen (linkes Bild) sowie an mehreren Stellen ihr Signet "ΣΠΕΛΕΟ 1982“ (Speleo 1982). Eines davon findet sich, der Tradition entsprechend, im „Trapeza-Raum“. Der Jordanier Nizam Dauacher, dessen Vorname im linken Bild zuoberst steht, hinterliess ausserdem im Trapeza-Raum sowie links hinten an der dritten Verzweigung je eine arabische Inschrift mit Namen, Land und Jahreszahl (mittleres und rechtes Bild): "Nizam al Jawahir (Nizam Dauacher), Al Urdun (Jordanien), 1982" (Entzifferung und Übersetzung Paul Coatalen). Dauacher starb in den Neunziger Jahren. Während die arabische Schrift von rechts nach links geschrieben wird, werden die arabischen Zahlen wie bei uns auch von links nach rechts geschrieben. Sie sind einfach zu übersetzen. Mit der beigefügten Tabelle können wir 1982 selbst entziffern. Dauacher lebte und studierte in Athen und notierte deswegen wohl unsere westliche Jahreszahl, während in anderen arabischen Inschriften die beigefügten Jahreszahlen offensichtlich aus dem islamischen Kalender stammen, welcher um 622 Jahre verschoben ist (siehe Teil 2, Kap. 4b "Besondere Inschriften").

01.-26. Feb. 2010: Malalas (6. Jh.) erwähnt eine "Höhle in den Bergen der Labyrinth-Gegend [bei Gortyn]", Cedrenus (11./12. Jh.) erwähnt eine "Höhle in der Gegend der Labyrinthe [bei Gortyn]", Eustathius (12. Jh.) bezeichnet das Labyrinth als "kretische Höhle", aber ohne Ortsangabe

Nachdem ich herausfand, dass Catull, Statius und Claudian entgegen anders lautenden Behauptungen die Labyrinth-Höhle nicht erwähnen, hielt ich Buondelmontis Beschreibung der Höhle von 1417 für die erste Erwähnung. Buondelmonti dürfte auch weiterhin der erste gesicherte Augenzeuge bleiben, der sie nicht nur beschreibt, sondern im Jahre 1415 selbst besichtigt hat. Ich habe nun drei frühere Autoren gefunden, die die Höhle zwar zu erwähnen scheinen, die sie aber offensichtlich selbst nicht besucht hatten. Cockerell verweist in seinem Artikel in Walpole (siehe Quelle 1, S. 409) auf Eustathius und Cedrenus, beide im 11./12. Jahrhundert. Es darf dabei nicht übersehen werden, dass Cockerell die Höhle für das Labyrinth der Mythologie hielt (S. 407), obwohl er zugleich der Meinung war, dass es ein Steinbruch für Gortyn war und die Gänge in der Höhle sekundärer Natur seien (S. 407). Dabei muss er sogar mutmassen, dass antike Autoren, die das Labyrinth in Knossos lokalisierten, sich irrten (u.a. Strabo und Pausanias, S. 408). Da Eustathius wenig ergiebig ist und Cedrenus seinen Text von einem anderen Autor, wahrscheinlich von Malalas, übernahm, beginne ich mit Malalas.
Quellen: 1) The Rev. Robert Walpole, M.A.: "Travels in various Countries of the East; Being a continuation of Memoirs relating to European and Asiatic Turkey, &c.", Longman, Hurst, Rees, Orme and Brown, London 1820; S. 402-409: The Labyrinth of Crete (communicated by Mr. Cockerell);
http://books.google.ch/books?id=7jIPAAAAYAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false (S. 409 eintippen)

Malalas (siehe Quelle 2, IV. Buch, Abschnitte 16-18, S. 61-63). Dieser Text liegt mir in Griechisch und teilweise in englischer Übersetzung vor. Malalas wie auch Cedrenus erzählen eine spätere, "rationalisierende" Version des Mythos: der Minotaurus ist keine Mischgeburt mit Menschenkörper und Stierkopf, sondern ein gewöhnlicher Mensch, nämlich der aussereheliche Sohn von Pasiphae und ihrem Sekretär (νοτάριος) namens "Tauros" ("tauros" ist in dieser Lesart also ein Name und nicht die Übersetzung für "Stier")! Nach dem Tod von Minos wurde Minotaurus König von Kreta. Der Senat von Kreta schickte zu Theseus und bot ihm die Herrschaft über Kreta und die Hand der Ariadne an, falls er den Minotauros töten würde. Theseus kommt sofort, Senat und Heer verlassen fluchtartig Minotauros in Gortyn, der flüchtet Malalas, Zeile 80sich in "die Labyrinth-Gegend" und verbirgt sich in einer Höhle des Gebirges, wird aber von Theseus aufgespürt und getötet; Theseus zieht mit einem Triumphzug in Gortyn ein (Übersetzung und Zusammenfassung nach Karin Metzler). Der entscheidende Satz bei Malalas (Zeilen 80-82, S. 63, siehe links) enthält die Worte "Minotaurus", "Labyrinth-Gegend" ("Λαβύρινθον χώραν") und "Höhle" (bei Gortyn). Die Übersetzung dieses Satzes lautet: "Als der Minotaurus den Verrat erkannte, floh auch er in die Labyrinth-Gegend. Er stieg in die Berge und betrat eine Höhle, in der er sich versteckt hielt." (engl.: "... the district of Labyrinth where he climbed a mountain and hid himself in a cave"; engl. Übersetzung siehe Quelle 3, S. 42). Unsere Labyrinth-Höhle kann nun auch nach der Entdeckung des Berichtes von Malalas (und der folgenden Autoren) nicht ernsthaft als das Labyrinth der Mythologie angesehen werden - allein die abgeänderte, "rationalisierende" Version des Mythos machts aus, dass sein Text nur von relativem Wert ist. Im zitierten entscheidenden Satz redet Malalas ausserdem weder vom Labyrinth noch davon, dass die Höhle so heisse. Er redet von einer "Höhle in den Bergen der Labyrinth-Gegend", so dass Labyrinth und Höhle verschiedene Sachen zu sein scheinen! Als weitere Abänderung des Mythos ist der Minotaurus (als Mensch) in diese Höhle geflüchtet, nicht eingesperrt worden. So fällt auch auf, dass Daedalus (und Ikarus) zwar mehrmals erwähnt werden - aber nicht als Erbauer des (oder eines) Labyrinthes.
Die interessante Frage bleibt dabei, warum Malalas (und entsprechend auch Cedrenus, siehe darunter) die Geschehnisse nach Gortyn verlegt. Müssten sie nicht in Knossos spielen? Die Verlegung nach Gortyn passt jedoch bestens zur Rationalisierung des Mythos. Ich nehme an, dass dieser Höhlen-Steinbruch (dem diese Website ja gewidmet ist), schon damals den übertragenen Namen "Labyrinth" trug, da er wahrscheinlich schon einige Jahre stillgelegt war (eine der interessanten Nachforschungen besteht darin, heraus zu finden, wann "unsere" Höhle zum ersten Mal den Namen "Labyrinth" erhielt). Knossos selbst war zu diesem Zeitpunkt - wie das Labyrinth - bloss ein Mythos, während Gortyn immer in Ruinen existierte und zuletzt viel wichtiger (Inselhauptstadt) als Knossos war. Und nun war Malalas wohl zu Ohren gekommen, dass es in der Umgebung von Gortyn ein "Labyrinth" oder eine "Labyrinth-Gegend" gab. Die Verlegung nach Gortyn war darum naheliegend im Zuge seiner Rationalisierung des Mythos. Zu ähnlichen Schlüssen kommt Karl Hoeck, wenn er schreibt: "Ausdrückliche Zeugnisse ferner verlegen den dädalischen Bau nach Knossos (Plutarch, Pausanias, Philostratus). Gegen diese und andere Zeugnisse können nicht in Betracht kommen Stellen späterer Dichter und Byzantiner; nichts war natürlicher, als dass Schriftsteller, denen die Sagen vom Labyrinth durch die dritte und vierte Hand zu kamen, sie übertrugen auf ein Local, welches zu ihrer Zeit diesen Nahmen führte (Claudian, Cedrenus)." (siehe Quelle 4, S. 60)
Quellen: 2) Ioannis Malalae: "Chronographia", Hans Thurn, 2000;
http://books.google.ch/books?id=na7qcXJVYL0C&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false
3) The chronicle of John Malalas, Elizabeth Jeffreys, Michael Jeffreys, Roger Scott, Brian Croke et al., Melbourne 1986;
http://books.google.ch/books?client=firefox-a&id=aZ5mAAAAMAAJ&q=labyrinth#search_anchor
4) Prof. Dr. Karl Hoeck: "Kreta. Ein Versuch zur Aufhellung der Mythologie und Geschichte, der Religion und Verfassung dieser Insel, von den ältesten Zeiten bis auf die Römer-Herrschaft", Erster Band, Göttingen 1823;
http://books.google.ch/books?id=R2QGAAAAQAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false

Cedrenus erwähnt die Höhle und die ganze Geschichte um den Minotaurus weitgehend in der selben rationalsierten Version (siehe Quelle 5, S. 214/5, Text in Griechisch mit lateinischer Übersetzung). Kedrenus, S. 215Cedrenus ist für uns von untergeordnetem Interesse, da er sein Material von anderen Autoren bezieht. In unserem Fall ist seine Quelle wahrscheinlich die Weltchronik des Johannes Malalas (siehe den Abschnitt darüber). Der links abgebildete Text zeigt seine Version des entscheidenden Satzes von Malalas' Text, ("αυτός" meint den Minotaurus). Hier die Übersetzung der relevanten Passagen (nach Karin Metzler) : "Nach Minos herrschte Minotauros, der Sohn der Pasiphae und des Tauros. Die Senatoren aber hielten es für einen Frevel, dass sie von einem dem Ehebruch Entstammenden beherrscht wurden und stachelten Theseus, den Sohn des Aigeus, des Königs von Thessalien, auf, zum Krieg gegen ihn das Meer zu überqueren; sie versprachen ihm, den Minotauros zu verraten und Ariadne, die Tochter des Minos und der Pasiphae, und ganz Kreta (zu übergeben.) Theseus überquerte prompt das Meer. Sein [d. h. des Minotauros] Feldherr und alle Bewohner ließen den Minotaurus in Gortyn zurück und flohen. Als er den Verrat erkannte, floh er selbst in die Gegend der Labyrinthe und hielt sich in einer Höhle verborgen, bis er von jemandem dem Theseus angezeigt und getötet wurde." Im Ausdruck "Λαβυρίνθων χώραν" ist eine leicht veränderte Schreibweise zu beobachten: Im Wort "Λαβυρίνθων" weisen die Akzentverschiebung von "ύ" nach "ί" sowie an zweitletzter Stelle "ω"statt "ο" auf den Genitiv Plural hin. Der Ausdruck wäre also mit "Gegend der Labyrinthe" zu übersetzen - auch das passt hervorragend zu meinen Vermutungen betreffend der Rationalisierung des Mythos: Es gibt in der Gegend der Labyrinth-Höhle mehrere ähnliche Höhlen-Steinbrüche. Sie sind zwar bloss ähnlich in Bezug auf den Abbau von Steinen und den dabei entstandenen typischen Spuren. Sie sind alle viel kleiner, haben keine Gänge und bloss einen einzigen, mehr oder weniger verwinkelten Raum und sind daher in keiner Weise labyrinthisch. Dennoch haben sie Namen wie "Λαβυρινθάκι" oder "μίκρη Λαβύθρινθος" erhalten. Der Name "Λαβυρινθάκι" wird sogar mehr als einer solchen Höhle zugeordnet. Ich kenne bis jetzt 4 solche Höhlen (siehe Teil 2, Kap. 7). Diese Namensgebung macht die Umgebung im Nord-Westen von Gortyn tatsächlich zu einer "Gegend der Labyrinthe". Doch ist an dieser Namensgebung noch viel besser erkennbar, dass der Name "Labyrinth" bloss ein übertragener Name ist, da von allen dort vorzufindenden Höhlen-Steinbrüchen nur ein einziger "labyrinthisch" genannt werden kann.
Quellen: 5) Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae, B. G. Niebuhr C. F. - Georgius Cedrenus Ioannis Scylitzae OPE ab Immanuele Bekkero, Tomus prior, 1838: Γεωργιου του Κεδρηνου - Συνοψις Ιστοριων / Compendium Historiarum, A Mundo condito usque ad Isaacium Comnenum Imperatorem, A DN. Georgio Cedreno ex diversis libris collectum; http://books.google.ch/books?id=FB4bAAAAIAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false

Bei Eustathius (von Thessaloniki) gibt es zwei Textstellen (beide nur in Griechisch), die für uns interessant sind. Die erste (siehe Quelle 6, S. 102/3, Abschnitt 88, Zeile 32) redet viel von der Stadt Gortyn und nennt Tauros ("tauros", gr. = Stier; hier wie bei Malalas und Cedrenus der Name eines Kreters), der die Europa entführt hatte, als deren Gründer (S. 103, Zeile 2/3). Eustathius, S. 421, Zeile 1Das Labyrinth bzw. die Labyrinth-Höhle wird nicht erwähnt. Eine andere Textstelle (siehe Quelle 7, S. 420, Vers 320, Zeile 43) bezeichnet das Labyrinth zwar als "unterirdische kretische Höhle mit vielen Windungen", aber ohne Ortsangabe (S. 421, Zeile1, siehe Text links)!
Quellen: 6) Dionysius Periegetes Graece et Latine cum vetustis commentariis et interpretationibus ex recensione et cum annotatione Godofredi Bernhardy, pars prior, 1828; Eustathii commentarii, ab S. 84;
http://books.google.ch/books?id=IRYwAAAAYAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false
7) Eustathii Archiepiscopi Thessalonicensis Commentarii ad Homeri Odysseam, Tomus 1, 1825
http://books.google.ch/books?id=hrcWAAAAQAAJ&printsec=frontcover&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false

26. Jan. 2010: Inschrift von 1979 gefunden - die Labyrinth-Höhle war offenbar schon vor 1981 wieder zugänglich

Inschrift 1979Gemäss den Informationen von Nick Leloudas wurde 1981 durch die erste Expedition der Griechischen Speleologischen Gesellschaft am Ende des heutigen Eingangstales ein neuer Zugang zur Labyrinth-Höhle geschaffen, nachdem der Eingang infolge des Unfalles mit tödlichen Folgen 1961 durch das Militär versiegelt worden war. 1985 wurde der mit Zement versiegelte Haupteingang offiziell wieder aufgebrochen. Über die Schliessung und Wieder-Öffnung des zweiten westlichen Einganges liegen keine gesicherten Angaben vor - vielleicht war er gar nie verschlossen worden? Bei der Überprüfung meiner Fotos fand ich die links zu sehende Inschrift von 1979 im Ruheraum, einer benachbarten Kammer des Trapeza-Raumes, wo die meisten Inschriften zu finden sind. Sie deutet darauf hin, dass die Labyrinth-Höhle 1979 zugänglich war - das kann nur durch den westlichen Eingang geschehen sein....

25. Jan. 2010: Kapitel 2 "Die Pläne" / "The maps" ausgegliedert

Schon länger ist die Grösse meiner Website ein Nachteil, weil der Download je nach Kapazität des Computers und der Internet-Verbindung zu lange dauert. Die Aufteilung in mehrere Unterseiten ist daher schon länger ein Thema. Ich habe nun als erstes das Kapitel 2 "Die Pläne" ausgegliedert. Neu lautet der Link auf dieses Kapitel www.labyrinthos.ch/Plaene.html (englische Version: www.labyrinthos.ch/Plaene.english.html ; griechische Version: www.labyrinthos.ch/Plaene.ellinika.html). Ausserdem habe ich die Unterseite "ein Vergleich der Namen und Notizen in den Plänen von Petrochilou, Dumas, Cockerell, Charton und Sieber" als neuen Abschnitt "l" angehängt. Auch das Kapitel 5 "Vergleich der Pläne" aus Teil 2 habe ich als Abschnitte "m" (Gesamtvergleich) und "n" (Detailvergleiche) angehängt, so dass nun alle Themen, die die Pläne betreffen, in einer einzigen Unterseite vereint sind.

21.-25. Jan. 2010: Ein weiterer Plan von 1836 gefunden - der bisher ausführlichste!

Vergleich der Pläne Cockerell - Prokesch von Osten - Sieber
Anton Prokesch von Osten besuchte 1825 das Labyrinth und veröffentlichte 1836 in einem grösseren Werk einen Bericht darüber (siehe Quelle 1). Prokesch fertigte auch einen Plan an, wobei er den Plan von Cockerell (links) verwendete, diesen aber um zusätzliche Gänge und Räume erweiterte! Im obigen Vergleich der Pläne habe ich im Plan von Prokesch (Mitte) die neu eingetragenen Stellen rot oder violett markiert. Die violett und blau markierten Stellen fehlen bei Sieber (rechts). Zur besseren Orientierung habe ich die Buchstaben von Prokeschs Plan in Siebers Plan eingetragen (pink). Die Übereinstimmung im linken oberen Teil (Buchstaben K-Q) bleibt allerdings unsicher, es sind auch andere Zuordnungen denkbar (mehr dazu in Kapitel 2 "Die Pläne"). Prokesch erwähnt zwar Sieber nicht, obwohl dessen Plan zu der Zeit schon veröffentlicht war. Aber seine Ergänzungen unten links und in der Mitte stimmen verblüffend gut mit Siebers Plan überein. Insgesamt ist Prokeschs Plan ausführlicher als Cockerells Plan und etwa gleich ausführlich wie Siebers Plan. Dieser enthält auch Räume, die bei Prokesch fehlen - sie sind ebenfalls blau markiert. Der Buchstabe G in Prokesch's Plan ist gemäss seinem eigenen Text falsch eingetragen: er gehört etwas weiter rechts zu den beiden Räumen, von denen der untere rot markiert ist (Kampfsaal). Prokesch macht des weiteren einige interessante Angaben. Allerdings vertritt er auch die nicht nachvollziehbare Haltung, dass die Labyrinth-Höhle das Labyrinth der Mythologie sei. Bei seiner Argumentation hat er allerdings einiges übersehen und auch Fehler gemacht. Genauere Infos folgen. Die Recherchen laufen.
Quellen 1): Ritter Anton Prokesch von Osten: "Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus dem Orient", Stuttgart 1836, erster Band, S. 606-619:
http://books.google.com/books?id=kD8pAAAAYAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_v2_summary_r&cad=0#v=onepage&q=&f=false

06./27. Jan. 2010: Das mythische Labyrinth war - gemäss Philochoros - kein Irrgarten, sondern ein gewöhnliches Gefängnis

In den News 02 schrieb ich: "Es macht überhaupt keinen Sinn, den Minotaurus in ein Labyrinth einzusperren, egal, ob dies nun ein "kretisches (klassisches) Labyrinth" oder ein Labyrinth im Sinne eines Irrgartens ist. Das Hauptanliegen ist doch, den Minotaurus einzusperren, dass heisst, es muss ein Verliess sein, aus dem er nicht entkommen kann. Doch in einem so geschlossenen Raum spielt die Innenstruktur keine Rolle - wozu sich noch die Mühe machen, ein Labyrinth zu konstruieren? Auch ein Irrgarten-Labyrinth, aus dem schwer heraus zu finden ist, ist nur dann sicher, wenn es mit einem Tor verschlossen wird - doch das verschlossene Tor ist dann wichtig, nicht die Struktur als Labyrinth." 
Diese Überlegungen werden durch die Schriften von Plutarch (45 - 125 n. Chr.) bestätigt. Er erwähnt in seiner Theseus-Biographie verschiedene Darstellungen des Mythos vom Minotaurus und dem Labyrinth. Interessant ist die Version von Philochoros, die er erwähnt: "Philochoros aber sagt, das wollten die Kreter nicht wahr haben [was die Griechen über das Labyrinth und den Minotaurus erzählen], sondern sie behaupteten, das Labyrinth sei weiter nichts als ein Gefängnis gewesen, an dem sonst nichts Böses war, als dass die darin Gefangenen nicht entfliehen konnten" (Quelle 1). Interessant ist dabei, dass Philochoros nicht einfach eine andere Version erzählt, sondern ausdrücklich sagt, die Kreter, also die im Mythos Betroffenen bzw. deren Vorfahren, von denen wir ja keine eigene Überlieferung besitzen, seien mit der Darstellung nicht einverstanden! Auch den "Minotaurus" sehen diese damaligen Kreter offenbar anders: "Minos habe dem Androgeos zu Ehren ein Kampfspiel veranstaltet und als Preise für die Sieger die Kinder gesetzt, die nun eben so lange im Labyrinth in Gewahrsam gehalten wurden; bei den ersten Wettspielen habe ein Mann, der bei ihm im höchsten Ansehen stand und Feldherr war, namens Tauros, den Sieg davon getragen, ein Mann von hartem, unsanftem Charakter, der mit den Kindern der Athener übermütig und grausam umgegangen sei." Und dann kam eben Theseus. "Nach der Darstellung des Philochoros erwartete man, als Minos das Kampfspiel veranstaltete, dass Tauros wieder alle besiegen werde, und er war darum ein Gegenstand des Neides. Denn seine Macht war wegen seines Charakters verhasst; auch sagte man ihm nach, dass er unerlaubte Beziehungen zu Pasiphae unterhalte. Als daher Theseus mitkämpfen zu dürfen verlangte, gestand Minos das zu. Da es nun in Kreta Sitte war, dass auch die Frauen zuschauten, war Ariadne anwesend, wurde sogleich von Theseus' Anblick bezaubert und bewunderte sein Kämpfen und wie er alle besiegte. Auch Minos freute sich, vor allem, dass Tauros niedergerungen wurde und so sein Ansehen verlor, gab Theseus die Kinder zurück und erliess der Stadt [Athen] den Tribut." Ist das Labyrinth als Irrgarten sowie der Kinder bzw. Jünglinge und Jungfrauen verschlingende Minotaurus also nur eine denunzierende Propaganda der Griechen in der Darstellung der ihnen anfänglich überlegenen Kreter? Diese Schlussfolgerung drängt sich jedenfalls als Möglichkeit auf, wenn wir den Ausführungen Jan Piepers folgen: "Für alle Deutungen des minoischen Labyrinthes sind wir ausschliesslich auf die attische Sage angewiesen, die nirgends zusammenhängend überliefert ist, sondern lediglich in den Erwähnungen der Historiographen und den allegorischen Anspielungen antiker Dichter auf uns gekommen ist. Diese attische Quelle ist durch und durch von der historischen Auseinandersetzung mit der kretischen Vormachtstellung geprägt und deshalb stark negativ gefärbt." (Quelle 2).
Quellen: 1) Plutarch - Grosse Griechen und Römer, aus dem Griechischen übertragen, eingeleitet und übersetzt von Konrat Ziegler, 6 Bände, 2. Aufl., München 1979, Band I, Kap. 15-21 (S. 51 bis 58), zitiert in Hermann Kern - Labyrinthe, S. 43-46
oder: http://books.google.ch/books?cd=1&id=SvUQAQAAIAAJ&dq=hermann+kern+labyrinthe&q=philochoros#search_anchor (diese Seite zeigt nur einen Auszug, es ist nur der Anfang des Zitates zu sehen)
2) Jan Pieper: "Das Labyrinthische", Über die Idee des Verborgenen, Rätselhaften, Schwierigen in der Geschichte der Architektur, Birkhäuser 1987/2009, S. 26

28. Dez. 2009 - 06. Jan. 2010: Catull, Statius und Claudian erwähnen die Labyrinth-Höhle nicht (entgegen anders lautenden Behauptungen)!

Gewisse Autoren behaupten oder zitieren die Behauptung, Catull, Statius und/oder Claudian identifiziere die Labyrinth-Höhle mit dem Labyrinth des Minotaurus. Meine Überprüfung der Original-Texte (siehe Teil 2, Kap. 10b, Punkt 8) ergab, dass diese Behauptung eine reine Spekulation und daher falsch oder zumindest irreführend ist. Zum einen erwähnt keiner der drei Autoren die Labyrinth-Höhle explizit. Zum anderen basiert die Behauptung auf dem Begriff "Gortynius" (gortynisch), der in allen interpretierten Textstellen vorkommt. Doch damals war es offenbar Usus, anstelle eines Landes stellvertretend eine seiner Städte zu nennen. So wurde anstelle von Kreta oft Gortyn genannt, das damals die Hauptstadt Kretas war. Viele englische und deutsche Übersetzer übersetzten darum in den erwähnten Texten "Gortynius" mit "kretisch", oder sie übersetzten es mit "gortynisch" und fügten eine Fussnote an, in der sinngemäss stand, dass "gortynisch" = "kretisch" zu verstehen sei. Mehr dazu in Teil 2, Kap. 10b, Punkt 8.